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Fernsehen zum Amoklaufen
von Vanish erstellt: 02.05.09, 18:39:36 Uhr
Es gab in den Teilen des Webs, die ich besuche, in jüngster Zeit einen allgemeinen Aufschrei über die Berichterstattung zum Amoklauf in Winnenden. Das scheint allerdings die Berichterstatter selbst nicht sonderlich gestört zu haben, denn als am 30.04.09 in Appeldoorn ein Auto in die zum Königinnentag versammelte Menge gerast war, gab es auch das in aller distanzloser Deutlichkeit zu sehen.

Nun bin ich als mittlerweile 10-jähriger Fernsehloser irgendwie nicht mehr auf dem Laufenden, was das allgemeine Feeling im Fernsehprogramm angeht, aber was ich in letzter Zeit davon aufschnappe, erklärt sich mir eigentlich nur als eine von zwei möglichen Entwicklungen: Entweder, die etablierten Medien (Print, Rundfunk, Fernsehen) merken, dass sie in den letzten Zügen liegen und dies sind die letzten verzweifelten Versuche, die Massen zurückzugewinnen oder zumindest zu behalten, oder dieselben Medien verrohen auf eine Art und Weise, die nur zu erklären ist, wenn die Masse, die sie erreichen wollen, ebenso verroht.

Ich persönlich mag lieber an die erste Alternative glauben, aber mich interessiert, wie Menschen, die vielleicht dem Fernsehen nicht ganz so fern stehen wie ich, die Lage einschätzen.
Only you and I can help the sun rise each coming morning. If we don't, it may drench itself out in sorrow.
- Joan Baez
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von Scharawareck erstellt: 02.05.09, 19:56:24 Uhr
Hallo Vanish,

die distanzlose Deutlichkeit begründet sich in der Tatsache, dass jeder Durchschnittsmensch ein Handy mit Kamerafunktion bei sich trägt, dass mit seinen 3-8 Mio. Pixel Auflösung 10 x besser ist als das Profi-Fernsehequipment von vor 10 Jahren.

Und in der Tatsache, dass die Boulevardpresse seine Leser als potentielle Reporter anspricht und Ihnen bei brauchbaren Bildern Prämien verspricht.
Dies dient zur Profitmaximierung der Boulevardpresse, da Journalisten eingespart werden können.

FAZIT: Ein verwackeltes Bild oder Filmchen einer Tragödie besitzt mehr gesellschaftlichen Wert als die intellektuelle Deutung eines Journalisten. Die Medien mit Ihren Bildern werden immer mächtiger.
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von Vanish erstellt: 03.05.09, 03:15:53 Uhr
Hi Scharaweck,

es waren in diesen Fällen aber doch gerade eben nicht die Bild-Leserreporter, welche die schlimmste Reportage abgeliefert haben, sondern RTL und Konsorten haben das ganz alleine geschafft. Ich meine, da waren Kamerateams noch und nöcher vor Ort, alle mit (mutmaßlichen) Journalisten, die jedoch alles andere als eine intellektuelle Deutung abgeliefert haben.

Gruß
V
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von Scharawareck erstellt: 03.05.09, 11:42:17 Uhr
Nostradamus prophezeite einst, dass in jedem Haus ein Teufel in der Ecke stehen werde.

Er meinte mit Sicherheit den Fernsehapparat, der mit Bildern Menschen locken, einnehmen und manipulieren kann.

Der Fernsehapparat hat die hypnotische Macht der Bilder, sofort und ungefiltert ins Unterbewußtsein einzudringen.

In der heutigen medialen Welt bin ich erst dann mündig, wenn ich gelernt habe, jedes Bild aus dem Medium Fernsehen journalistisch zu hinterfragen. Andernfalls bin ich dem "Teufel" bzw. dem Fernsehen ausgeliefert.

Ich will das Fernsehen an sich nicht verdammen, wir spielen halt mit dem Feuer!



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von Vanish erstellt: 03.05.09, 19:18:50 Uhr
Hmm, ich weiß nicht, ob das mit dem Teufel stimmt. Allerdings sind wir vielleicht früher relativ naiv an die Sache "Fernsehen" herangegangen, und zwar insofern, als man annehmen konnte, dass das schon stimmen wird, was da gesendet wird. Ob das überhaupt jemals der Fall war, kann ich nicht sagen, aber jedenfalls gab man sich zu Zeiten, in denen das öffentlich-rechtliche Fernsehen noch Alleinunterhalter in Deutschland war, zumindest Mühe, den Anschein von journalistischer Arbeit zu erwecken. Inzwischen scheint "Boulevard" von einem abfälligen Ausdruck zu einem Trend avanciert zu sein.

Was wir mit dem Internet hingegen gerade erlernen, ist das Hinterfragen von Informationen, das eigenverantwortliche Recherchieren, Abgleichen, Sondieren nach Qualität, das Bewusstsein, dass es Quellen mit unterschiedlicher Glaubwürdigkeit gibt und dass man eben nicht mehr darauf angewiesen ist, mit dem zufrieden zu sein, was man angeboten kriegt, sondern dass man die Wahl hat, unter tausenden Angeboten das beste herauszusuchen.

Mit persönlich gefällt das sehr gut, und ich glaube (oder hoffe vielmehr) dass dies immer mehr Menschen ebenso sehen und sich eben dadurch der Quoten- und Auflagenverfall der etablierten Medien erklärt.

Gruß
V
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von Saphir erstellt: 19.05.09, 08:38:43 Uhr
Guten Tag,

ich nehme mir mal raus, mir eine Meinung zu diesem Thema zu bilden und diese öffentlich zu machen.

Ich sehe Medien als Fluch der über den Menschen und deren unmündigen Geist schwebt.

Mir ist aufgefallen, dass Menschen sich sehr von Bildern (Fernsehen) beeinflussen lassen. Diese sind einfach zu verarbeiten und für jeden "verständlich". Der Mensch an sich, ist faul und versucht Zeit und Energie zu sparen. So gerät er an das Fernsehen, welches ihm fertige und kompakte Meinungen serviert, ohne den jenigen in die Pflicht zu nehmen bzw. ihn zum selbst Denken zu animieren.

Wie praktisch: Da sitzt die Hausfrau Zuhnause. Frustiert über die Ungerechtigkeit des Lebens und bekommt Sensationen nach Hause geliefert. So schaut sie diese Bilder wird sie merken, dass es noch viele Menschen gibt denen es schlechter geht. Daraufhin zieht sie den Rücckschluss. Ach mir geht es doch ganz gut.

Dies war ein Beispiel.

Was sollte man tun?????

Meine Meinung: Gar nichts, denn es wäre Veschwendung der kostbaren Zeit und der geistigen Kapazität.

Wie sagte einst ein gewisser Grieche. Im Lärm der Waffen, schweigen die Gesetzte.
Wie sagte unser lieber Herr Kant: Das schlimmste am MENSCHEN, ist die unmüdigkeit des eigenen Geistes.

Danke

Saphir

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von Scharawareck erstellt: 19.05.09, 20:50:27 Uhr
" ... Das Fernsehen ..., und ich sage Ihnen, es werden drei oder vier Generationen genügen, bis die Leute nicht einmal mehr selbständig furzen können und der Mensch in die Höhle, in die mittelalterliche Barbarei und in einen Schwachsinn zurückfällt, den schon die Nacktschnecke im Pleistozän überwunden hat. Diese Welt wird nicht von der Atombombe zerstört werden, wie uns die Zeitungen weismachen wollen, sondern sie wird sich totlachen, wird an Banalität zugrunde gehen, weil sie aus allem einen Witz macht, einen schlechten noch dazu." DER SCHATTEN DES WINDES (Carlos Ruiz Zafon)
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von Dunschala erstellt: 07.09.09, 22:32:18 Uhr
fernseh-scheibe

Eratosthenes von kyrene wiedersprach der theorie (ca. 225 v. Chr.), dass die erde eine scheibe sei – heute würde er seine behauptung wiederum rückgängig machen...


es grüsst lieb
Dunschala
@)-->------
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von Kuranai erstellt: 08.09.09, 02:39:02 Uhr
Egal welche Frage sich in Politik und Gesellschaft stellt, ich komme immer nur zu einer Antwort:
Bildung!

Das Problem ist ja nicht, dass das Fernsehen niveaulos ist,
sondern dass "der Konsument" genau das will!
Die Einschaltquoten sind da am höchsten wo das Niveau am geringsten ist. Weil das Privatfernsehen eine kommerzielle Geschichte ist besimmt die Nachfrage was gesendet wird...

Ich guck mir das Alles sicher nicht an und ich mache dem Fernsehen an sich auch keinen Vorwurf, denn ich habe die Wahl.
Also ist das Programm nur ein kleiner Teil des Problems, weil der Zuschauer schon vorverdummt ist bevor er an das Fernsehen gerät!
Wenn Kinder mit 10Jahren oder weniger
mehrere Stunden am Tag fernsehen kann man dafür nicht das Fernsehen selbst verantwortliche machen!

Ich kann natürlich auch nicht von verdummten Eltern verlangen, dass sie die Verdummung ihrer Kinder verhindern.
Ursache und Wirkung sind hier Eins...es gibt nur Wechselwirkungen
und deshalb ist das einzig Sinnvolle überall an zu setzen!
Im Elternhaus, in der Schule UND beim Programm und vor Allem bei der Werbung:
Die wahren Teufel sind die Werbepsychiologen, sie verkaufen uns Glück und Lebensfreude und geben dem Leben einen Sinn im Konsum von irgendwelchem Schrott.
Macht euch mal Gedanken darüber, welchen Einfluss Fernsehwerbung auf Kinder hat!

Mein Lieblingsbeispiel, Berentzen:
"knackiger spaß im Glas" und dazu feiernde Leute die in einem See schwimmen, mit dem Schnapsglas in der Hand!!!

Botschaft: Droge = Spaß und nebenbei die tolle Idde besoffen schwimmen zu gehen!

Coca cola: "mach dir Freude auf" fällt mir grad noch ein...
...Mein Name ist Kent Brockman
und das war mein Senf.
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