Ästhetizismus- Was bedeutet es für Euch?
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Seit Wilde habe ich die Klarheit eines überästhetischen der Moral vollkommen enthobenen, selbstgerechten Mannes vor Augen, der für den Schein der Sinne alles anstrebt. In seinem -Dorian Gray Roman ist dies auch deutlich geworden. Obschon ich persönlich Wilde sehr angetan bin, komme ich nicht um die Frage herum, was denn Ästhetizismus in der heutigen Zeit noch für eine Bedeutung hat? -Beinhaltet er lediglich oberflächlich, manipulative Mediengestalgen, Schönheitsideale, etc. oder ist dieser Lebensstil, wie ihn der Individualist Wilde prägte, noch relevant?
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Ästhetizismus ist für mich weniger die Unter- und Nachordnung von Ethik, Erkenntnis, Religiosität, und Sozialem nach und unter dem wahrnehmbaren „Schönen“, sondern mehr noch die einzig wahre humanistische Energiequelle; d.h. die Energie, die man aus der Wahrnehmung von Schönem in sich selbst erschaffen kann und nicht durch Beherrschung von anderen Lebensformen diesen abzapfen bzw. rauben muß.
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Ich persönlich bin ein sehr großer Fan Oscar Wildes.
Ich empfehle Dir, einen Blick in "The Soul of Man under Socialism" zu werfen, falls du das noch nicht getan hast.- Da öffnen sich neue Welten.
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Hallo Seeräuber,
Ich halte Oscar Wildes sozialistische Utopie für überholt. Die Forderung zur Abschaffung des Privateigentums hat sich spätestens mit dem Fall der kommunistischen Systeme 100 Jahre später erledigt. Die Abschaffung des Privateigentums ist nämlich keine Voraussetzung, sondern lediglich ein Nebeneffekt einer weiterhin erwarteten höheren menschlichen Entwicklungsstufe.
Ich bewundere jedoch seine prosaische Hymne auf den Individualismus.
Auch wenn Wilde meinte, dass die Armut des frühindustriellen Zeitalters einer Entwicklung des Individualismus im Wege steht, so machen heute gut genährte Europäer trotzdem keinen Entwicklungssprung in ihrer Individualität.
Was mir bei Deiner Lektüreempfehlung "THE SOUL OF MAN" von Oscar Wilde (http://www.besuche-oscar-wilde.de/werke/deutsch/essays/die_seele_des.htm) am besten gefallen hat, war folgender Gedankengang, den ich mir als Dünger für meinen Individualismus nehme:
"...Wenn der Mensch den Individualismus verwirklicht hat, wird er auch das Mitgefühl lebhaft empfinden und es frei und spontan üben. Bis jetzt hat der Mensch das Mitgefühl noch kaum ausgebildet. Er hat vor allem Mitgefühl mit dem Schmerz, und diese Form des Mitgefühls ist keineswegs die höchste. Jedes Mitgefühl ist edel, aber Mitgefühl mit dem Leiden ist am wenigsten edel. Es ist mit Selbstsucht vermischt. Es trägt den Keim des Ungesunden in sich. Es liegt eine gewisse Angst um unsere eigene Sicherheit darin. Wir fürchten, selbst in den gleichen Zustand wie der Aussätzige oder der Blinde zu geraten, und wir fürchten, dass dann niemand für uns sorgen würde. Es führt auch zu einer eigenen Begrenztheit. Man sollte mit der Unversehrtheit des Lebens empfinden, nicht bloß mit seinen Wunden und Gebrechen, sondern mit der Freude und Schönheit, der Kraft, der Gesundheit und der Freiheit des Lebens. je weiter das Mitgefühl reicht, desto schwieriger wird es natürlich. Es verlangt größere Selbstlosigkeit. jedermann vermag für die Leiden eines Freundes Mitgefühl zu empfinden, aber es setzt ein sehr edles Wesen voraus es setzt in der Tat das Wesen eines echten Individualisten voraus -, an dem Erfolg eines Freundes teilzunehmen..."
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Die Stelle, die du noch einmal zitiert hast ist sehr interessant, da gebe ich dir Recht .gif)
Doch, was meint du damit, die Forderung nach der Abschaffung des Privateigentums habe sich erledigt? Die ist doch aktuell wie nie. Der Fall der "kommunistischen" Staaten widerlegt prinzipiell nicht ein klassenloses System. Oder?
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Wenn die Gesellschaft (= die Mehrheit der lebenden Menschen und der diese prägende vorher lebenden Menschen) ihre Lebensenergie aus der Erschaffung von "Privateigentum" schöpfen, ist es unmöglich und sinnlos, dies zu unterbinden.
Die gesellschaftlichen Systeme ohne Privateigentum des letzten Jahrhunderts z.B. entpuppten sich alle als verlogen und scheiterten.
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