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Blog von Kalinn
erstellt: 05.05.09, 01:13:32 Uhr
Zitat von I Ging:
Der Tiegel. Erhabenes Heil. Gelingen.
Vor zweieinhalb Jahren habe ich aufgehört, dieses Blog zu schreiben. Es ging darin immer um das Café, das I Ging und die Zukunft. Jetzt sind wir in dieser Zukunft, und wenn es jetzt wieder um das Café, I Ging und Zukunft gehen soll, dann muss man doch aus der Vergangenheit erstmal Schlüsse ziehen.

Ehrlicherweise also erstmal folgendes: Ich bin nicht dafür geeignet, eine Sache zu warten. (D.h. am Laufen zu halten, zu managen.) Ich kann etwas gestalten, aber wenn es fertig ist, dann wandern meine Gedanken zu etwas anderem. Man mag mich jetzt darob schelten und mir Nachlässigkeit und Desinteresse vorwerfen, aber: Ich kann es nicht. Ich hab's probiert, nicht nur mit diesem Foren-Projekt, sondern mit vielen anderen Projekten, mit Rollenspielen, mit Bands, mit Literatur, was weiß ich. Ich bin nicht mal in der Lage, meine eigenen, narzisstischen, nur für mich initiierten Projekte zu verfolgen, also denke ich, es ist nur fair, sich einzugestehen, dass es eben Dinge gibt, die man nicht kann. Ich komme mir schon selbst wie ein Rosinenpicker vor, das Argument ist geschenkt. Im Gegenzug erwarte ich allerdings auch nichts, sämtliche Projekte, die ich bisher gestartet habe, sind im Sand verlaufen. Wenn ich also jemanden ausnütze, dann wohl mich selbst, da ich ergebnislose Wahngebäude produziere.

Sodann: Die Statistiken zeigen, dass das Café, gerade in der Zeit meiner Abwesenheit, sehr stark frequentiert wurde, jedenfalls stärker, als in der Zeit davor, mit ca. 1400 Besuchern pro Monat. Seit Anfang des Jahres ist der Trend jedoch stark rückläufig, im April waren's nicht mal mehr 1000. Ich habe mir versucht, über die Daten einen Überblick zu schaffen, aber ich bin ratlos. Im Forum selbst scheint es letztes Jahr wenig neue Themen und Beiträge gegeben zu haben, jedenfalls kenne ich die meisten Themen noch "von früher". Viele davon hat das Forum allerdings auch bereits gefressen, weil die Anzeige auf Themen der letzten 1000 Tage eingestellt war. Ich habe das zunächst auf 10000 hochgesetzt, damit alles wieder sichtbar ist.

Hinsichtlich der Mitglieder sind einige wertvolle Autoren dazugekommen (und einige wohl auch wieder gegangen) aber von der "kritischen Masse" sind wir noch weit entfernt. Ich kann verstehen, dass der Chat verwaist ist, da es wohl auf Dauer unbefriedigend ist, dort auf Gesprächspartner zu warten. Die Frage ist, ob sich bei einem festgelegten Chattermin überhaupt eine genügende Menge interessierter Teilnehmer einfinden würde, oder ob diese Termine (wie schon geschehen) eher ereignislos verlaufen. Ich kann mir die Menge von Mitgliedern, die noch nie einen Beitrag verfasst haben, jedoch nur dadurch erklären, dass diese den Chat nutzen (oder zumindest ausprobieren wollten). Auch ist "Philosophie Chat" immer noch unser Aushängeschild Nr. 1.

Zitat von I Ging:
Über dem Holz ist Feuer: das Bild des Tiegels.
So festigt der Edle durch Richtigmachung der Stellung das Schicksal.
Das bedeutet wohl, sich zunächst einen Überblick zu verschaffen, welche Motivation da ist, und in welche Richtung das allgemeine Interesse geht. Ich habe da ja noch immer eine gewisse Idee, die ich nicht hinter dem Berg halten will, aber ohne genügend Interessierte macht das auch keinen Sinn. Sodann also den Chat wiederbeleben, ich denke, darin steckt am meisten Potential. Es gibt eine Philosophie für lange Abende bei Kerzenschein, und eine für laute Tage auf dem Marktplatz. Und ich persönlich wäre mit dem Markt ganz zufrieden.
erstellt: 17.12.06, 22:59:42 Uhr
Im Zuge meiner Beschäftigung mit der Optimierung des Cafés für Suchmaschinen habe ich mich in letzter Zeit mit einigen mehr oder weniger sinnvollen Tools herumgeschlagen, von denen die meisten für den normalen User wohl ohne Interesse sein dürften, aber eines möchte ich doch niemandem vorenthalten: Die Live-Suche. >Einige Suchmaschinen< bieten diese als Service an, um mitzuverfolgen, nach welchen Begriffen gerade gesucht wird. Das ist zeitweise spannender, interessanter und aufschlussreicher als Fernsehen.
erstellt: 26.11.06, 10:13:19 Uhr
Ich will einmal etwas über ein Spiel namens >Mahjongg< erzählen. Bevor nun jemand kommt und meint, diese Version habe mit dem "eigentlichen" traditionellen chinesischen Brettspiel etwa so viel zu tun wie >Archon< mit Schach möchte ich freimütig eingestehen, dass mir das durchaus bewusst ist, und es dennoch der Faszination und dem Wert, den das Spiel für mich hat, keinen Abbruch tut. Ich habe schon seit einiger Zeit vor, ein Thema über "philosophische Computerspiele" zu eröffnen, und ich denke, Mahjongg wäre vielleicht der beste Start dafür, denn ich habe noch bei keinem Spiel so gut meditieren können, so viele tiefe und grundlegende Erkenntnisse erlangt ohne dass das Spiel selbst sie einem aufdrängen oder auf dem Silbertablett servieren würde, als bei Mahjongg.

Das ist mir erst gestern Abend wieder aufgefallen, als ich zwei Partien mit meinem Bambus-und-Bein-Set, das ich mir inzwischen zugelegt habe, spielte. Mir drängen sich dabei immer unwillkürlich Überlegungen zu Zufall und Glück, den Verstrickungen des Lebens und wie man sie lösen kann, zu Entscheidungen und Pfaden, die man wählt und deren Ausgang auf. Kann man sich etwa für eine Fehlentscheidung verantwortlich machen, wenn man zum Zeitpunkt der Entscheidung noch keine Anhaltspunkte zum weiteren Verlauf hatte? Vielleicht hätte man die Wahl dennoch an der Art und Weise der Entscheidung und der generellen Situation beurteilen können. Vielleicht hätte man in einer ungewissen Situation die Entscheidung auch aufschieben können, bis die Verhältnisse etwas klarer würden.

Ganz nebenbei erreicht man dabei auch noch die Muße und Ruhe, um die Gedanken schweifen zu lassen und zu ganz anderen Überlegungen zu gelangen, die, jedenfalls dem äußeren Anschein nach, nicht von dem Spiel beeinflusst sind. Warum z.B. aus dem Themenchat nichts geworden ist und mich das so ärgert. Ob es am Thema lag, am Termin, an mir selbst oder an dem Desinteresse der Gäste. Ob es sich überhaupt lohnt, weiterhin Chats öffentlich zu organisieren oder sie einfach dann abzuhalten, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Was ich am bedauerlichsten finde ist, dass das Thema, welches mich zumindest zu einigen interessanten Überlegungen und Erkenntnissen inspiriert hat, nun sang- und klanglos untergeht. Ich denke, ich werde meine Gedanken zu den Dingen, die man nicht sagen kann, zur Unschuld der Kinder, zur Emanzipation der Frauen und der Durchdringungskraft der Religion.

Ich hatte gestern Abend noch einen weiteren Gedanken, den ich unbedingt in mein Blog aufnehmen wollte, aber zu müde dazu war, und nun ist er meinem Gedächtnis entglitten. No matter, es wird wieder zurückkehren.
"When you dream, sometimes you remember. When you wake, you always forget." (Neil Gaiman, The Sandman No. 43)
erstellt: 03.11.06, 22:56:14 Uhr
Über Werbung, Konkurrenten und das Leid der anderen

Zitat von I Ging:
Die Zersplitterung. Nicht fördernd ist es, wohin zu gehen.


Die Fragen, die es im Internet zu beantworten gibt, sind dieselben, die auch im realen Leben beantwortet werden müssen. (Und gibt es überhaupt ein irreales Leben? Ist nicht alles, auch das Internet, ein Teil des Lebens?) Eine Frage davon betrifft das rechte Verhalten. Und in vielen Situationen ist dies DIE Frage überhaupt. Ist es jedoch möglich, dass die Antwort darauf im Internet eine andere ist, als im gemeinen Verkehr mit Menschen?

Wenn man Werbung für eine Sache machen will, so beinhaltet dies immer eine mehr oder minder starke Beeinflussung einer gewissen Anzahl von Menschen. Im Wesentlichen liegt das Ansinnen der Werbung darin, diese Menschen sich dem eigenen Willen gefügig zu machen. Ob man ihnen nun völligen Schund andrehen, sie von einer Glaubensrichtung überzeugen oder zum Heil der Welt beitragen möchte spielt hierbei keine Rolle, man will die Menschen in jedem Fall dazu bringen, sich so zu verhalten, wie sie sich nicht verhalten hätten, wären sie nicht Ziel der Werbung geworden.

In unserem Fall heißt das: Wir wollen intelligente, kreative und engagierte Menschen dazu bringen, unser Forum zu nutzen und sich an unseren Diskussionen, Chats und sonstigen Leistungen zu beteiligen. Wir tragen damit nicht zum Weltfrieden bei, propagieren keinen neuen Glauben und verdienen auch nichts daran; trotzdem kann es sein, dass eine Werbung für unsere Zwecke nicht gut ankommt.

Immer, wenn der Ausgang einer Sache ungewiss ist, bietet es sich an, nach historischen Vorbildern zu suchen, die ein ähnliches Ansinnen hatten und aus deren Herangehensweise zu lernen. Ich denke nicht, dass wir uns mit tatsächlichen Kaffeehäusern vergleichen können; auch wenn unser Ambiente ein ähnliches sein soll, so ist doch unsere Intention eine andere. Kaffeehäuser (auch die historischen) lebten in der Regel vom Verkauf der eigenen Erzeugnisse (Kaffee...) und zogen wenig bis gar keinen Nutzen aus den in ihnen erstellten Werken (Gedichten, Kompositionen, Gedanken, usw.). Bei uns ist es direkt umgekehrt. Wir verkaufen keine Erzeugnisse und profitieren ausschließlich von den bei uns veröffentlichten Beiträgen. Insofern kann man uns am ehesten mit einem Kultmagazin oder einem kleinen Spezialverlag, oder - im eigentlichen Sinne - mit einer "Schule" im klassischen Sinne, also einer Schule des Denkens, vergleichen.

Die klassischen Schulen betrieben selbst keine aktive Werbung, sondern ihre Kunde verbreitete sich von Mund zu Mund (weshalb sie oftmals auf einen bestimmten Ort begrenzt waren). Nischenverlage und Kultmagazine betreiben ebenfalls nur sehr begrenzt Werbung und setzen i.d.R. auch auf Mund-zu-Mund-Propaganda, die Auslage in Kiosken (oder Buchläden) und die Neugierde der Passanten. Wenn sich überhaupt ein Vergleich zum Internet ziehen lässt, dann sind Suchmaschinen und Linklisten die Buchläden und Kioske, und Surfer die Passanten. Wenn wir also Werbung betreiben wollen, dann sind dies unsere Hauptanhaltspunkte. Sie sind unverbindlich und diskret und das alleine würde bereits seriös wirken, wenn nicht die meisten Linklisten so furchtbar aufgemacht wären, dass man schon auf den ersten Blick erkennt, dass es hier nicht um Qualität, sondern um Quantität geht - um den Page Rank. Die einzige aktive Werbung, die ich mir also für das Café Sophia vorstellen könnte, wäre eine seriöse Linkliste - oder ein Link auf einer seriösen und themenverwandten Seite.

Womit das Problem der Konkurrenz erreicht wäre. Themenverwandte Seiten wollen nämlich in der Regel "ihre" Besucher auch behalten - als ob Besucher ein Gut wären, dass man besitzen kann. Jedenfalls befürchten sie, dass durch einen Link auf eine ähnliche Seite die Besucher "abwandern" und ihre eigene Seite weniger stark frequentiert wird. Daher kommt es wohl, weshalb einander sehr ähnliche Seiten ungern einander verlinken.

Die Konsequenz, die sich hieraus ziehen lässt, lautet: Linkpartner sollten sich einerseits so ähnlich sein, dass die Besucher der einen Seite sich auch für die andere Seite interessieren könnten, andererseits jedoch nicht so sehr gleichen, dass sie sich ernsthafte Konkurrenz bieten könnten. Dies klingt zunächst wie ein Wiederspruch: Wenn sich "meine" Besucher auch für die Seite meines Linkpartners interessieren könnten, dann stellt das doch eine Konkurrenz für mich dar, oder nicht?

Nicht unbedingt. Auch wenn es einem vielleicht schmeichelt, das zu denken, so liegt das Interesse der Besucher nicht ausschließlich in meiner Homepage. Besucher sind menschliche Wesen mit einer komplexen Psyche, die durchaus fähig sind, mehrere Interessen gleichzeitig zu verfolgen. Das bedeutet: Wenn ich ein regelmäßiger Besucher einer Musikhomepage bin, so kann ich mich darüber hinaus auch für Literatur interessieren. Oder, was unseren Fall angeht: Wenn ich ein Besucher von Informationsseiten zu Literatur, Musik, Kunst, Kultur, Philosophie und dem ganzen Geraffel bin, so könnte ich mich auch für eine Seite interessieren, auf der man sich darüber unterhalten kann. Ich befürchte nur, dass unser Themenspektrum dafür zu umfassend ist, dass z.B. der Betreiber einer >Musikinfoseite< auf uns verlinken würde. Vielleicht wäre die Herangehensweise über unser Ambiente erfolgreicher. Menschen, die Nostalgie, Kultur und Stil mögen, könnten vielleicht eher etwas mit diesem Café anfangen. Ich bin an diesem Punkt allerdings ziemlich ratlos.

Wie hingegen geht man mit den Seiten um, die tatsächliche Konkurrenten sind? Getreu dem Motto "man ergötzt sich nur am Leid der anderen, um vom eigenen abzulenken" gibt es wohl nur eine Antwort darauf: gar nicht. Man lässt sie einfach bleiben und ihre eigene Sache machen. Selbst wenn man auf demselben Gebiet tätig ist, so tut es doch jeder auf seine Weise und merkbar verschieden von den anderen, weshalb sich (idealerweise) mit der Zeit auf jeder Seite das Publikum ansammelt, das zur entsprechenden Herangehensweise und Atmosphäre passt. Idealerweise. Bisher jedoch leider nicht.

Die Sache ist, dass es so einfach nicht ist. Das Internet kennt keine homogene Mischung, denn zwei Seiten, die auf demselben Gebiet tätig sind, sind niemals gleich gut bekannt. Mund-zu-Mund-Propaganda funktioniert auch nicht so, wie im normalen Geschäftsleben, denn im Netz kennt man nur wenige so gut, dass man ihnen von der "tollen neuen Seite, die auch sie interessieren würde" erzählt, und Leute, die man face-to-face ausreichend gut kennt, teilen nicht unbedingt das eigene Interesse für das Internet, oder diese besondere Seite.

Das alles ändert jedoch nichts an den oben angestellten Überlegungen zum rechten Verhalten. Es ändert lediglich etwas an der eigenen Erwartungshaltung und Herangehensweise. Und an der eigenen Gelassenheit. Wie das I Ging sagt, gibt es eben einfach Zeiten, in denen ist es nicht ratsam ist, überhaupt etwas zu unternehmen.

Zitat von I Ging:
Der Berg ruht auf der Erde: das Bild der Zersplitterung.
So können die Oberen nur durch reiches Spenden an die Unteren ihre Stellung sichern.


Vornehmlich geht es also zunächst darum, die eigene Stellung zu halten, bevor man sich - in günstigeren Zeiten - daran macht, diese Stellung auszubauen. Es ist daher vielleicht besonders angeraten, den Blick nach Innen zu richten und die Verhältnisse hier zu ordnen, nicht zu vergessen das "reiche Spenden an die Unteren". Kümmern wir uns also zunächst um "unsere" Besucher und was man ihnen noch gutes tun könnte. Schließlich sind sie es, die - in besseren Tagen - das Wort von unserem Café weitertragen können.
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